Die Kenianer frieren und siegen
Lokalmatador Philipp Nawrocki kommt als bester Deutscher beim 42. ATG-Winterlauf auf Platz 4. Auch die schnellste Frau kommt aus Ostafrika. Der Veranstalter stellt beide Gewinner-Mannschaften.
Aachen.
Keinen deutschen Sieg gab es beim 42. Winterlauf. Bei eisigen Temperaturen und auf hart gefrorenem Boden ließ eine Übermacht kenianischer Aktiver den Sportlern aus der Region keine Chance.
"Es war unglaublich kalt", so der erste Eindruck des Siegers von der Strecke, die sich über 18 Kilometer vom Vichtbachtal über die Vennbahntrasse und durch den Wald bis nach Aachen zog. Doch Ronald Kurui hatte doppelten Grund zum Feiern, brachte ihm seine Laufpremiere in Deutschland doch auch gleich den ersten Sieg.
Der 18-jährige gewann vor seinen Landsleuten Peter Chemaoy und Nicholas Cheboi, mit denen er gemeinsam bei Sally und Paul Boltersdorf im Eifelörtchen Schmidt trainiert. Mit 59 Minuten und 15 bzw. 16 Sekunden blieb das Trio beim gemeinsamen Zieleinlauf unter der Marke von einer Stunde. Der Streckenrekord war damit jedoch nicht zu brechen.
Den hält immer noch Lokalmatador Philipp Nawrocki, der gegen die afrikanische Konkurrenz trotz Fußverletzung lange mithielt und am Ende Platz 4 erreichte (1:00:10 Std.). "Die Anfangsphase war eher gemütlich", meinte der ATG-Läufer. "Dann jedoch haben die Kenianer angefangen, ihre Spielchen zu spielen."
Ab Kilometer 13 nahm das Rennen Fahrt auf. Durch ständige Tempovariationen schüttelten die drei Leichtgewichte an der Spitze einen Konkurrenten nach dem anderen ab, um schließlich den Sieg unter sich auszumachen. "Immerhin war ich bester Deutscher", freute sich Nawrocki, der schon als Überraschungsvierter beim Hamburg-Marathon in diesem Jahr ähnliche Erfahrung machte. "Heute war das richtige Wetter, um schnell zu laufen."
Aus dem gleichen Stall wie das männliche Siegertrio stammt auch die Gewinnerin bei den Frauen. In 1:08:52 erreichte Florence Chepsoi das Ziel am Chorusberg. Die 20-jährige verwies Ira Korsten und Meike Häberle (beide Sporthochschule Köln) auf die Plätze. Beste Läuferin aus der Region wurde Kristina Ziemons (Aachen) in 1:13:41, gefolgt von Lea Böhmer (1:18:57).
Immerhin, auch die Aachener Turngemeinde mit Organisator Peter Servas hatte gestern allen Grund zum Feiern. In der Teamwertung nämlich siegte die ATG sowohl bei den Männern (Nawrocki, Florian Thönnessen, Sebastian Retzlaff, Jonas Tarekegne und Benjamin Lehmbach), als auch bei den Frauen (Ziemons, Böhmer und Claudia Leschnik) vor den Teams der Sporthochschule Köln.
13.12.2004, Aachener Zeitung, Aachener Nachrichten - Lokal-Sport, von Kolja Linden
Qualmende Köpfe und kalte Füße beim Winterlauf
2000 Teilnehmer sorgen beim sportlichen Spektakel der ATG für tolle Atmosphäre. Glücklich, wer im Kinderwagen dabei sein durfte.
Aachen.
Auf der Sportanlage der Aachgener Turngemeinde (ATG) steigt weißer Rauch in die Luft. Nein, es brennt kein Feuer, und auch ein neuer Papst ist nicht gewählt worden.
Der ATG-Winterlauf biegt hier am Chorusberg in seine letzte Kurve, und 2000 Teilnehmer, Leistungssportler wie Freizeit-läufer, erreichen nach 18 harten Kilometern nach und nach das Ziel. Es herrschen Temperaturen nahe an der Nullgrenze, und von den schwitzenden Schultern und Köpfen der Läufer qualmt es gewaltig.
Wenn die Siegerfotos schon längst geschossen sind und die Gewinner aus Kenia geduscht (siehe Sportteil), dann ist das Rennen noch lange nicht zu Ende. Unter dem Applaus der Fans am Streckenrand biegen die wahren Helden des Tages in die letzte Kurve, ein nicht enden wollender Strom von Freizeitläufern, die, der Kälte trotzend, ihren inneren Schweinehund besiegen.
«Opa, Du bist spitze, drum flitze, flitze, flitze!» steht auf dem Plakat, das Elisa und Lynn gemalt haben. Die beiden zehn und fünf Jahre alten Mädchen aus Aachen sind stolz auf ihren Großvater Josef Krammer, der mit 76 Jahren zu den ältesten Teilnehmern gehört.
Papa darf stolz sein
Einige Jahre jünger ist Stefan Drießen. Der 14-jährige freut sich über seine tolle Zeit von einer Stunde und 21 Minuten. Dabei hat sich der ATG-Läufer gar nicht vorbereitet, ist erst kurz zuvor für seinen verletzten Vater Günther eingesprungen, der nun mit kalten Füßen am Rand steht.
Der Winterlauf ist halt Sport- und Familienereignis in einem. Bernhard Terodde zum Beispiel, der Läufer von der «Sportkameradschaft Kreis Aachen», hat Nichte Hanna und Neffe Paul dabei - im Kinderwagen! Wie den knapp zweijährigen Zwillingen das Rennen gefallen hat, ist zwar nicht zu ermitteln, Onkel Bernhard aber ist zufrieden - mit seiner Zeit und der Strecke. Die ist nämlich weitestgehend gefroren, kein Risiko also, dass der Kinderwagen im Schlamm des Aachener Waldes steckenbleiben könnte.
Auch für Kaufhof-Chef Jürgen Fleckenstein ist der Winterlauf ein Familienereignis. Während seine sportbegeisterte Gattin den Weg vom Vichtbachtal bis zum Chorusberg joggend bewältigt, freut sich der Sponsor des Ereignisses lieber über die strahlende Sonne im Zielbereich.
Und als die letzten Läufer die Ziellinie überqueren, kann auch Organisator Peter Servas durchatmen: wieder alles gut gegangen!
13.12.2004, Aachener Zeitung - Lokales, von Kolja Linden
In der Masse wird
es ein paar Grad wärmer
Mehr als 2000 Läufer starten bei minus sechs Grad im Vichtbachtal zum 42. ATG-Winterlauf. Gut doppelt so viele wollten dabei sein. Die anspruchsvolle Strecke genießt auch im Ausland einen guten Ruf.
Aachen.
Mehr als 2000 Laufbegeisterte starteten am Sonntagmorgen im Vichtbachtal bei minus sechs Grad und strahlendem Sonnenschein zum 42. Winterlauf der Aachener Turngemeinde (ATG). Eine 18 Kilometer lange Strecke, die am Chorusberg endete, galt es hinter sich zu legen.
Mit 30 Bussen waren die Läuferinnen und Läufer in der Voreifel «ausgesetzt worden», schmunzelte die Aachenerin Iris Mohr-Bäumer. Aber es sollte sich lohnen: «Die anspruchsvolle und landschaftlich schöne Strecke» lief sie bereits zum vierten Mal mit. Vom Vichtbachtal über Mulartshütte, rauf nach Venwegen, weiter nach Kornelimünster und über die Vennbahntrasse ging es zur Bahnhofsvision, wo die Laufbegeisterten Erfrischungen erhielten, um fit genug für die letzte Etappe zum Sportplatz am Chorusberg zu bleiben.
Mehr als 4000 Interessierte wollten beim Winterlauf teilnehmen, staunte Organisator Peter Servas vom ATG. Doch noch müsse die Zahl der Läufer beschränkt werden, woran man aber arbeite: «Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr noch mehr Teilnehmer zulassen können.» Der Ruf der Strecke, die mit ihren vielen Steigungen recht anspruchsvoll ist, scheint sich herumgesprochen zu haben: Läufer aus ganz Deutschland, dem benachbarten Ausland und sogar England waren diesmal am Start.
Im Kostüm
Den Reiz des Winterlaufes macht wohl die Mischung aus Spitzen- und Hobbyläufern aller Altersklassen - die Altersspanne reichte diesmal von 12 bis 76 Jahren - aus: Während die Klassesportler das Feld recht schnell hinter sich lassen, «sucht der Rest die Herausforderung» oder «feiert sich selbst», so Servas.
Einige kostümieren sich sogar, wobei im Dezember immer recht viele Nikoläuse mit von der Partie sind. Und manch einer bezwingt die 18 Kilometer gemeinsam mit seinem Hund.
Nachdem der Lauf in seiner über 40-jährigen Tradition immer wieder mit zusätzlichen Hürden wie Eis und Schnee aufwartete, waren die Verhältnisse am Sonntag mit strahlendem Sonnenschein nahezu ideal. Niemand stürzte oder schied wegen Erschöpfung aus. Rund 50 Helfer des ATG sorgten dafür, dass auch sonst alles nach Plan verlief.
«Gute Stimmung»
Stefan Hausmann und Manfred Schnitzler aus Geilenkirchen waren mit ihren Zeiten zufrieden. Beide freuten sich über die «gute Stimmung», die beim Lauf geherrscht hätte. Die Kälte hätte ihm nur am Start zu schaffen gemacht, so Schnitzler: «Wenn man dann in der Masse schwimmt, wird es gleich zwei Grad wärmer.» «Zum ersten, aber bestimmt nicht zum letzten Mal dabei» war David Jost aus Hattingen (Ruhrgebiet). Die Organisation des Laufes sei sehr gut gewesen, nur «ein paar mehr Getränkestände» hätte er sich gewünscht.